Verbales Babylon

Wieder einmal bin ich völlig überrumpelt…tappe im Dunkeln, kann den Worten meines Gegenübers nicht folgen. Die Worte verstehe ich, doch den Sinn, die Bedeutung kann ich nicht erahnen.
Ich weiß nicht, warum mein Partner, eben noch der Einfühlsamste und Liebste, wutentbrannt eine Rede vom Stapel lässt, dass ich innerlich erbebe.

Ich überlege krampfhaft, suche nach Worten…weiß nicht was ich sagen soll, ohne das Feuer weiter zu schüren. Wir sind in diesem Bereich der zwischenmenschlichen Kommunikation angekommen, wo jeder auf einem anderen Sender- bzw. Empfängerbereich eingestellt ist.
VERBALES BABYLON….wir reden zwar dieselbe Sprache, verstehen einander gerade aber überhaupt nicht.

Verdutze Gesichter, Wut, Unverständnis….

Weil wir glauben, voraussetzen zu können. Weil wir mehr denken, als auszusprechen. Weil wir nicht nachfragen.
Jeder von uns hat ein ganz spezielles, individuelles Erleben. Dieses ist geprägt von den Erfahrungen, den Bezugsmenschen, dem Umfeld. Welche gleichsam unsere Filtereinstellung, das „WIE“ wir unsere Welt sehen und uns erklären, darstellen. Es unterscheidet uns daher aber auch von allen übrigen Menschen und jeder Begriff, Gestik etc. hat eine andere Bedeutung – wird eigens interpretiert.

Ein Beispiel aus dem Alltag eines Paares, dass ich kürzlich dazu gehört habe, möchte ich kurz anführen:

Er steht noch im Schlafzimmer und entdeckt, dass seine Armbanduhr stehen geblieben ist. Seine Allerliebste steht bereits im Badezimmer und macht sich für den Tag bereit.

Er weiß, dass sich dort eine Wanduhr befindet. Nachdem er seine Uhr aufgezogen hat, möchte er die Zeiger wieder richtig justieren und ruft ins Bad: „Schatz, wie spät ist es?“.

Sie „hört“…wir haben es eilig, mach weiter und trödel nicht so und antwortet wutentbrannt: „Was hetzt du mich immer so, wir haben doch eh noch so viel Zeit“….

Geholfen hätte in dem Fall, eine simple Zusatzinformation an seine Frau, dass seine Armbanduhr stehen geblieben ist und er die Uhrzeit wissen möchte, um sie neu einzustellen.

Genau hier hakt es nämlich. Was wir sagen und das was wir „hören“ erinnert manchmal stark an das Spiel „stille Post“. Es kommt völlig anders an, als wir es ausgesprochen haben. Wenn dann auch noch Bild und Ton ausgeschalten sind, wie es bei SMS, WhatsApp und Co der Fall ist, darf man sich nicht wundern, dass diesen Missverständnissen Tür und Tor geöffnet sind.

Beim nächsten verbalen Babylon, in das Sie unverhofft hinein rutschen, empfehle ich:
Nachfragen und das Gehörte in eigenen Worten wiederholen.
Vollenden Sie die gedachten Sätze, dass lässt weniger Spielraum für Interpretationen. Ich bin sicher, die Wirkung wird Sie positiv überraschen.

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