…aus der Haut fahren…

„aus der Haut fahren“, „nicht aus seiner Haut können“…, „sich nicht in der eigenen Haut wohlfühlen“…

Ich denke mir oft, wie die Sprache Bilder entwirft, die genau das ausdrücken, was uns gerade bewegt. Wenn es um unsere Komfortzone, unsere eigenen Grenzen geht, sind wir sehr sensibel.

Neue Anfänge, Grenzüberschreitungen oder Aufgabe der Selbstkontrolle….wir haben Angst, fühlen uns unsicher auf dem neuen Terrain. Was wird kommen? Wie wird man mich beurteilen? Was wird man über mich sagen? Was, wenn ich nicht bestehe? ..und wenn ich nicht passend bin?

Wir fühlen uns wohl, wenn wir „Herr der Lage sind“. Wenn wir eine „sichere Zukunft“ annehmen können.

Dabei vergessen wir manchmal, dass wir mit Änderungen der Routine und Offenheit an Flexibilität gewinnen. Dass wir uns damit stark machen. Stärke gewinnen wir, in dem wir unsere Talente fördern. Wir nicht nur einen bekannten Weg folgen. Wenn wir ein breites Spektrum anbieten können und damit eine breite Basis, auf der es sich leichter steht, als nur auf einem Bein.

Ein unglaubliches Experiment war für mich „Dialog im Dunkeln“. Eine Führung durch „Alltagssituationen“, nachgestellt in den Sälen der Stadthalle Wien. Die Guids waren Blinde, die die Gruppe von Erwachsenen und Kindern durch den „Parcour“ führten. Es war interessant und auch beängstigend zu gleich. Der Sehsinn war völlig ausgeschaltet. Mein Tastsinn, Geruchsinn und meine Ohren waren auf „Alarmstufe“ eingestellt. Unglaublich was ich plötzlich wahrgenommen habe. Bisher unbeachtete Details wurden „sichtbar“ und ich erlebte die Welt um mich in einer ganz neuen, unbekannten Form. Eine Parallelwelt – das Stadtleben ohne Augenlicht.

Am Ende der Führung war ich um viele Eindrücke reicher und ich hatte großen Respekt vor den Menschen, die mit dieser „Einschränkung“ durchs Leben gehen. Ich konnte schließlich selbst entscheiden dabei zu sein bzw. diese Welt wieder zu verlassen. Sie mussten damit leben.

Ich denke oft an diese Führung zurück, weil Sie mir gezeigt hat, dass wir viele ungenützte Fähigkeiten besitzen. Dass wir uns oft unserer Stärken gar nicht bewusst sind. Dass wir uns leider viel zu sehr auf bereits Bekanntes stützen. Viele „Schätze“ bleiben ungenützt und untrainiert.

Ich möchte Ihnen empfehlen, aus der Routine auszubrechen. Arbeitswege zu verändern, neue Arbeitsweisen auszuprobieren, Rezepte zu ändern, unbekannte Autoren zu lesen, unpopuläre Musik zu hören und vieles mehr. Gewinnen Sie an Boden, um in schwierigen Zeiten, wenn die eigene Welt ins Schwanken gerät, schneller ins Gleichgewicht zu kommen. Wer sich seiner Vielfalt und Stärken bewusst ist, tut sich leichter im Leben.

Viel Spaß dabei!
https://www.wien.info/de/sightseeing/museen-ausstellungen/dialog-im-dunkeln

 

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